Mittelhessenbloggers Blog

Eckiges, Kantiges, Freches, Unangepasstes, was nirgendwo reinpasst :-)

Augenscheinlichste Deutschstunde bei Welt und Focus

Über die Merkwürdigkeiten im Zusammenhang mit der Plagiatsaffäre um Frank-Walter Steinmeier wurde im Mittelhessenblog bereits berichtet. Auch die Frage wurde gestellt, ob da vielleicht heimlich irgendeine PR-Geschichte kontra SPD und Grün, die beiden potentiellen Koalitionspartner der CDU/CSU, losgetreten wurde.

Nun macht sich der Focus in seiner Onlineausgabe  über eine SPD-Politikerin her und stützt sich auf einen Artikel, der in der Onlineausgabe der Welt erschienen ist. Es geht um die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Die Welt lässt sich in aller Genüsslichkeit über einen fehlerhaften Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel aus. Wort für Wort, Satz für Satz wird da der Brief auseinandergenommen.

Ich habe dann allerdings aber doch gestutzt. Weniger wegen der geschilderten Satzschlampereien, Rechtschreibfehler etc.
Sondern dieser Tatsache wegen: Prangte mich doch die Zwischenüberschrift
„Augenscheinlichster Lapsus kommt zum Schluss“ an.

Missglückte Deutschnachhilfe der Welt. Quelle: Welt . Repro C.v.Gallera

Missglückte Deutschnachhilfe der Welt. Quelle: Welt . Repro C.v.Gallera

Diese Sicht der Dinge mag ja naiv sein, aber: Der sprachlich und rechtschreibtechnische verunglückte Brief Dreyers an die Bundeskanzlerin ist objektiv gesehen eine Schludrigkeit. Sicher wahr. Nur wenn man sich dann schon darüber auslässt, sollte man dann auch darauf reagieren, wenn die Kollegen, die zuerst den symbolischen Rotstift geschwungen haben, selber über die deutsche Sprache stolpern. Denn ausgerechnet mit dem Adjektiv „augenscheinlich“ haben sich die Welt-Kollegen ein Wort gesucht, das sich bei aller Liebe nicht steigern lässt. Entweder etwas ist augenscheinlich oder es ist es nicht. Das Gegenteil wäre „geheim“. Nur während sich das Adjektiv „geheim“ steigern lässt, geht das mit „augenscheinlich“ nicht. Wie schlimm es nun ist, ob ein solcher Brief die Staatskanzlei in Mainz nun besonders diskreditiert, sei dahingestellt. Nur peinlich ist es schon, wenn man einen solchen Brief genüsslich zerrupft und dann im ersten Medium selber einen kapitalen Grammatikbock schießt und dann im zweiten Medium die ganze Geschichte noch einmal bringt und den Fehler der Kollegen einfach übersieht oder ignoriert.
Da stellt sich dann schon die Frage, ob beide Zeitungen, Focus wie die Welt, eher etwas gesucht haben, das man der SPD-Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz mal schnell anheften kann. Als reine Vorsichtsmaßnahme, versteht sich.

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3 Kommentare zu “Augenscheinlichste Deutschstunde bei Welt und Focus

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Oktober 2, 2013 von in Allgemeines, Medienzirkus und getaggt mit , , , , , , , .
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